LEANDER HAUSSMANNS STASIKOMÖDIE
Länge 114 Min. FSK 12

Donnerstag 02. Juni bis Mittwoch 08. Juni 2022

Spielzeiten folgen

Berlin in der Gegenwart:

 

Der erfolgreiche Romanautor Ludger Fuchs (Jörg Schüttauf) beantragt auf Drängen seiner Familie Einsicht in seine Stasi-Akte und dabei handelt es sich um einen ordentlichen Wälzer, schließlich war Ludger damals ein Held im DDR-Widerstand, der von der Stasi genauestens beobachtet wurde. Doch seine Frau Corinna (Margarita Broich) wird misstrauisch, als sie einen zerrissenen Brief findet.

 

Und tatsächlich sah die Wahrheit eigentlich ganz anders aus:

 

Anfang der 1980er Jahre wird der stets systemgetreue Ludger (als junger Mann: David Kross) von der Stasi auf die Künstlerszene im Prenzlauer Berg als Spitzel angesetzt. Dabei verguckt er sich jedoch in die mysteriöse Nathalie (Deleila Piasko) und lässt sich vom Leben der Bohème mitreißen. Ludger stellt das vor ein großes Problem, da er einerseits einen Auftrag der Stasi ausführen muss, andererseits mittlerweile zu einem gefragten Mitglied der Künstlerszene geworden ist ... (filmstarts.de)

AUS DER KRITIK:

Mit der beschwingten, gutmütig überdrehten Komödie schließt Haußmann seine DDR-Trilogie ab, nach Sonnenallee aus dem Jahr 1999 und NVA von 2005. Es gibt ein Wiedersehen mit Obermeister Horkefeld (Detlev Buck), der schon in Sonnenallee vorkam und eifrig die Ausweise der Passanten kontrolliert. Nicht nur diese Nebenfigur sorgt für Slapstick, auch Ludger und seine drei Stasikollegen, die meistens im Auto sitzenbleiben müssen und sich langweilen, neigen zu Pannen und Missgeschicken. Eine herrliche komödiantische Figur gibt der Stasioffizier Siemens (Henry Hübchen) ab, der dem jungen Fußvolk Angst und Schrecken einjagt und seinen abgeklärten Zynismus mit großer Geste zelebriert.

Selbst Erich Mielke (Bernd Stegemann), der mächtigste Stasi-Mann von allen, wird zur schillernden Komödienfigur. [Auf einem Kostümfest] entspinnt sich [...] ein lustiger philosophischer Dialog zwischen Mielke und dem Stasi-Hoffnungsträger Ludger darüber, wer im gesellschaftlichen System eigentlich der Apfel und wer der Wurm ist.

 

Haußmann erweist sich zum Vergnügen des Publikums als detailfreudig. Wie Ludger im Rausch des Asthmakrauts Halle tollkühne Gedanken ausspricht, wie die jungen Stasimänner unter der Fuchtel des Offiziers Siemens die Mundwinkel herabziehen, wirkt wie so vieles auf heitere Weise theatralisch beseelt. [...]

Der junge Ludger liest Jack Kerouac und träumt vom freien Westen, wie die meisten Ostdeutschen seiner Generation. Auf Schritt und Tritt werden in dieser Komödie daher Western- und Rockmusikklänge oder Songs wie Death of a Clown, Going up the Country, Bird on the Wire angestimmt. Die versöhnliche Grundhaltung dieser Retrosatire lässt sich auch als ein Angebot zum Umgang mit der Ost-Vergangenheit verstehen und diskutieren: Alle träumten von Freiheit, viele erkauften sich ihren kleinen persönlichen Spielraum durch Stasi-Mitarbeit, gehörten weder eindeutig zu den Guten noch zu den Fiesen. Der Apfel und der Wurm bildeten eine Einheit. Schön war das nicht, aber die Sonne schien zuweilen trotzdem. (kino-zeit.de)

D (2022), Komödie, Regie: Leander Haußmann
Darsteller: Jörg Schüttauf, Margarita Broich, David Kross, Antonia Bill, Deleila Piasko, Henry Hübchen, Detlev Buck, Karsten Speck, Alexander Scheer, Tom Schilling

Länge: 114 Min. FSK 12