LIONHEARTED -  AUS DER DECKUNG

Deutschland 2019, Regie: Antje Drinnenberg, Dokumentation

Burak, Saskia und Raschad sind drei der Schützlinge von Boxtrainer Ali Cukur. Woche für Woche treffen sie sich zusammen mit zahlreichen anderen jungen Boxern in einer kleinen Halle des TSV 1860 München.

Die Jugendlichen kommen aus der ganzen Welt, viele von ihnen sind in München gestrandete, die keinen Tritt fassen können. Sie wissen nicht, wohin mit ihrer Power und mit ihrer Energie, sie langweilen sich und haben kaum eigene Interessen. Ein Schulabschluss ist keinesfalls selbstverständlich, schon gar nicht mit guten Noten. Die meisten kommen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, manche wurden kriminell. Ihnen gemeinsam ist die Liebe zum Boxen. Ali Cukur ist für sie da, er nimmt sie alle an wie seine eigenen, inzwischen schon längst erwachsenen Kinder, er fängt sie auf, nimmt sie ernst, fördert und fordert sie, packt sie bei ihrem Ehrgeiz, von dem sie vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie ihn haben.

 

Boxen wird so zum Training für das echte Leben. Die Chance, Anerkennung zu finden und nicht auf die schiefe Bahn zu geraten.

Das alljährliche Boxcamp verlegt Ali nach Ghana. Konfrontiert mit den harten Bedingungen der ghanaischen Boxer in den Slums von Accra, beginnen die Jugendlichen, ihr Leben in Deutschland aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. So wird die Reise nach Westafrika für sie zu einer Reise zu sich selbst — zu ihren Ängsten, ihrer Zerrissenheit, aber auch zu ihrer Kraft und ihrem Selbstwertgefühl.

AUS DER KRITIK:

Antje Drinnenbergs Film ist ein Glücksfall für das dokumentarische Kino in seiner Intensität und Leichtigkeit und mit einer Mut machenden Aussage ohne erhobenen Zeigefinger. Zu Beginn und zwischendurch zeigt sie in gut getimten Schwarzweißbildern und zu rockigen Elektroklängen gut getimte Kampfbilder, in denen es sportlich zur Sache geht. Doch das Hauptgewicht liegt auf den Biographien der Münchener Boxer und ihres Trainers, der selbst als Kind ein schweres Schicksal hatte und dem das Boxen half, sein Leben zu sortieren. Ali Cukur ist ein Vollblutpädagoge, der sich den Jugendlichen mit ganzer Kraft widmet und dabei alles richtig macht. Mit viel Feingefühl findet er die richtige Balance zwischen Zuwendung und Strenge. „Sie brauchen eine Hand, die sie führt, jemanden, der es gut mit ihnen meint“, sagt er.

 

Antje Drinnenberg gelingt es, in 90 sehr unterhaltsamen Minuten all das einzufangen, was seine Persönlichkeit ausmacht: Lebensfreude, Liebe zum Boxen, Herzlichkeit und Humor gehören dazu. Dabei porträtiert sie in abwechslungsreichen Bildern seine Schützlinge ebenso wie die Mitglieder des afrikanischen Partner-Gyms, sie lässt allen Raum, sich zu öffnen, und schafft dabei eine Atmosphäre, die trotz der grundsätzlichen Ernsthaftigkeit der Geschichte von einer gewissen Leichtfüßigkeit geprägt ist. „Jeder hier hat ein bisschen Risse“, sagt Ali zwischendurch und schafft den humorvollen Vergleich zwischen Menschen und dem Boxsack. Und so wie der Boxsack braucht auch jeder Mensch Pflege und Zuwendung. Dann klappt das schon mit dem Leben. (programmkino.de)

 


 

FSK I

0

LÄNGE I

93 Min

ab 14.10.

im Kino